BOAG - Bochumer Arbeitsgruppe für Sozialen Konstruktivismus und Wirklichkeitsprüfung
Sophia Kristina K.
liebt es, mit ihrem vollständigen Namen angesprochen zu werden. Ihre Kindheit erlebte sie im riesigen Garten der elterlichen Villa. Sophia Kristina K. ist sich sicher, dass diese Kindheit ihr zustand. Auch sonst ist sie davon überzeugt, dass ihr die Dinge zustehen: Der Urlaub im mietfreien Haus einer Freundin in der Bretagne bei wunderschönem Wetter, das von einem Freund geschenkte Haus im schönsten Teil der Stadt mit einem winzigen Garten, das Geld auf ihrem Konto, der kurze Weg zur Straßenbahn, die freien, ewig langen Sonntage, an denen die Sonne nur für sie scheint, der Zufall, dass ihr Chef sie beim Verteilen der Pausenaufsicht übersah, die Zuneigung ihrer Schüler, die Möglichkeit, als einzige den Klassenraum neu auszustatten, die zahlreichen Einladungen der Freunde, auch die Tatsache, dass fremde Menschen sie ansprechen und einladen. Eher ist sie verwundert, wenn eine Woche verstreicht, in der niemand sie eingeladen hat. Das kann nur ein Missverständnis sein.

Sophia Kristina K. findet also, dass ihr die Dinge zustehen. So verlässt Sophia Kristina K. jeden Morgen das Haus mit einem Lächeln im Gesicht und ihr Lächeln und ihre Art zu gehen veranlassen die Menschen, ihr hinterher zu schauen. Ihre wenige freie Zeit, die ihr neben der umfangreichen Aufgabe, das Leben zu genießen, noch bleibt, verbringt Sophia Kristina K. oder Kristina Sophia K., je nachdem, wie sie es wendet, am liebsten in der Schule. Hier kann sie sich vom Stress, das Leben zu genießen, erholen und kommt auf andere Gedanken.

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